Deutsche Feuerwehr-Meisterschaften 2012 – Tag 4 – Die Wertungsläufe

Der Tag in Cottbus begann mit einem Donnerschlag – bezeichnend für den gesamten Tag. Denn ein heftiges Gewitter weckte das Suhler Team aus dem Schlaf!

Aber schnell klärte sich das Wetter auf und es herrschten wieder die tropischen Temperaturen der Vortage, gepaart mit erdrückender Hitze. Ein Blick in die Gesichter ließ unschwer bereits am frühen Morgen die bevorstehende Anspannung erahnen. Denn heute standen die Wertungsläufe bevor. Der Tag, die Stunde, ja, die Minute, auf die das Suhler Wettkampfteam seit mehr als zwei Jahren hart darauf hin gearbeitet hat. Nun kann nichts mehr geändert werden, was jetzt nicht geklärt ist, ist zu spät! Und den besten Acht, der insgesamt 54 Mannschaften im internationalen traditionellen Feuerwehrwettbewerb, winkt das Ticket zu der Feuerwehrolympiade im nächsten Jahr in Frankreich.

Nach dem Frühstück, kam die gemeinsame Erwärmung und das obligatorische Einschwören auf den gemeinsamen und kameradschaftlichen Erfolg. 10:56 Uhr zeigt der Blick auf die Uhr. Pünktlich wird das Team zur Bahn 3 gerufen. Geräte abbauen, Platz vorbereiten, eine letzte Konzentration und schon kommt das Kommando zum antreten. Der Gruppenführer gibt den Einsatzbefehl für den A-Teil. Die Wasserentnahmestelle ist aus offenem Gewässer anzulegen, eine Verteilerleitung aufzubauen und der Löschangriff über zwei Rohre vorzunehmen. Auf den Pfiff des Gruppenführers geht es los. Alles geht rasend schnell. Auch die gefühlte Zeit ist gut, ein erster Blick gibt keine wesentlichen Patzer preis. Gespanntes warten. Die Wertungsrichter sind am prüfen. Kritisch beäugen sie das geschaffene Werk. Der Gruppenführer begleitet sie. Die Sekunden dehnen sich. Anschließend das Kommando zum Verlassen der Bahn. Ein fragender Blick zum Gruppenführer. Der lässt die Anspannung kurzzeitig sinken, keine Fehler! Zeit: 40,3 sec. Mannschaftsbestzeit seit Bestehen! Aber nicht lange, es geht nahtlos zum Staffellauf über.

Doch plötzlich fehlen die Protektoren für den Röhren-Läufer. Aufregung macht sich breit. Die Lösung ist schnell gefunden. Sie wurden an der Bahn des Löschangriffs vergessen. Problem gelöst!

Die acht erwählten Teammitglieder haben sich auf der 400 Meter Bahn verteilt. Der Startläufer geht auf Position. Er wartet auf den Startschuß – zweimal hat er schon gezuckt. Doch warum? Die Startpistole hat Ladehemmungen. Auch das ist schnell geklärt und es kann los gehen.

Der erste Wechsel klappt bilderbuchmäßig, der Zweite auch – doch dann der Schock. Läufer 3, er muss einen Laufbalken im vollem Schritt überlaufen, ist schwer gestürzt. Im vollen Lauf verfehlt er sein Ziel und prallt mit voller Geschwindigkeit mit den Rippen auf den Balken, rollt über die Tartanbahn und bleibt regungslos liegen. Sofort sind die nahen Wertungsrichter bei ihm, Läufer 2 eilt zu ihm. Der am Platz bereitstehende Sanitätsdienst eilt im Laufschritt zur Unfallstelle, der Rettungswagen wird vom Verbandplatz heran gewunken. Der Lauf ist Geschichte, doch das ist jetzt unwichtig! Immer mehr Teammitglieder kommen angelaufen. Entsetzen in den Gesichtern! Sofort schwillt der Bereich über der Hüfte an, die ganze Stelle färbt sich blau. Die Emotionen in den Gesichtern der Kameraden wissen nicht was sie werden sollen. Entsetzen über die verpasste Chance auf die Qualifikation oder Sorge über den Kameraden. Der Bahnleiter kommt auf dem Melderfahrrad angefahren. Der verunfallt Läufer wird in den RTW geladen, der Ersatzmann fährt mit und begleitet.

Der Bahnleiter entscheidet: Suhl läuft nochmal! Der übrige 9. Mann ersetzt den Gestürzten. In Windeseile werden die Positionen neu gemischt, die Mannschaft umgestellt. Wieder volle Konzentration! Doch dies fällt schwer im Angesicht der eben erlebten Szene und der Sorge um das Teammitglied.

Diesmal läuft alles reibungslos. 0 Fehler – 61,18 sec. Erneut eine neue persönliche Bestleistung!

Doch noch ist die Zitterpartie nicht beendet. Der Bewerbsleiter kann die Entscheidung des Bahnleiters revidieren. Aber auch andere Mannschaften können noch bis 12:30 Uhr Protest einlegen.

Nach den traditionellen Wettbewerben fanden noch die Finalläufe im 100 Meter Hindernislauf der Damen und Herren aus dem Bereich der Sportwettkämpfe statt. Außerdem dann am späteren Nachmittag die Wertungsläufe in der Disziplin Löschangriff, nass. Ebenfalls von den Frauen und Männern der Sportwettkämpfern.

Gegen 17:30 Uhr dann die Aufstellung und der Einmarsch zur Siegerehrung. Beeindruckend! So muss man die Szenerie beschreiben! 1.600 Sportlerinnen und Sportler aus der gesamten Bundesrepublik marschieren auf den Platz ein. Im Hintergrund über 1.000 Zuschauer und Fans!

Die Anspannung steigt! Wurde Protest eingelegt oder der Lauf der Suhler so gewertet. Hat die neue persönliche Bestmarke gereicht um sich für Frankreich zu qualifizieren oder sogar noch besser? Die Siegerehrungen der Jugendfeuerwehren kommen zuerst. Beste Thüringer Mannschaft: Westhausen unter den TOP-Ten.

Es folgen die Ehrungen der Sportwettkämpfer. Das Team Thüringen I, Männer landet auf Platz 2. Somit ist schon mal eine Mannschaft aus Thüringen in Frankreich mit dabei!

Es schließen sich die Siegerehrungen der Traditionellen an. Die Spannung ist zum zerreißen! Niederau-Eichen I gewinnt mit neuer deutscher Bestleistung. Suhl landet genau unter den TOP-Ten. Der 10. Platz, bei der zweiten Deutschen Feuerwehr-Meisterschaft, an der sie teilnahmen. Das Resümee: beste ostdeutsche Mannschaft, als erste ostdeutsche Mannschaft überhaupt in den TOP-Ten der Meisterschaften, zwei neue persönliche Bestmarken sowie eine Einladung als Gastmannschaft zum Österreichischen Bundesbewerb.

Ach ja, unserem gestützten Wettkämpfer geht es den Umständen entsprechend auch wieder besser! Er weilt wieder bei seinem Team. Die umfangreichen Untersuchungen in der Notaufnahme Cottbus ergaben keine inneren oder knöchernen Verletzungen. Dafür eine ausgedehnte Rippenprellung und Blutergüsse.

Übrigens: Alle Ergebnisse erfahren Sie hier!

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